Corona und der illegale Welpenhandel

Illegaler Welpenhandel. Immer mehr Menschen „kommen auf den Hund“. Dass die Coronapandemie dabei eine große Rolle spielt, ist offensichtlich. Seit Pandemie-Beginn hat sich die Anzahl der Haustiere in Deutschland um über eine Million erhöht.

Verwunderlich ist das nicht. Zum Einen haben die Menschen mehr Zeit, weil viele Freizeitaktivitäten weggefallen sind. Zum Anderen hat die Kontaktbeschränkung einige Menschen in eine derartige Isolation geführt, dass sie sich ein großes Nähe-Bedürfnis verspürten. Was Hunde anbelangt, sind kleine süße Welpen besonders beliebt. Doch viel zu oft entstammen diese nicht aus einer legalen Zucht oder aus dem Tierschutz, sondern von perfiden Händlern aus Osteuropa.

Zoom-Veranstaltung zum illegalen Welpenhandel

Um dem Thema mehr Aufmerksamkeit zu widmen, haben Bündnis 90/Die Grünen am 18. Mai zum gemeinsamen Gespräch eingeladen. Beteiligt waren neben Initiatorin/Moderatorin Lisa Marie Otte von den Grünen, Daniela Schneider vom Verein 4 Pfoten, Tierärztin Dr. Urte Inkmann und Frank Weber vom Franziskus-Tierheim.

Hinweis: Die Informationen in diesem Artikel entstammen alle aus der Zoom-Diskussionsrunde am 18.05.2021. Fragen oder Korrekturen gern in die Kommentare schreiben.

Nachfrage ist groß

Die Nachfrage nach Welpen schlägt sich schon in den Zahlen nieder: Während im November 2019 der Preis für einen Welpen noch bei 850 Euro lag, so liegt er mittlerweile bei über 1700 Euro für Trendhunderassen. Wer bei ebay kleinanzeigen, in den Sozialen Netzwerken, bei deinetiervermittlung.de oder ähnlichen Portalen nach seinem vierbeinigen Freund sucht, sollte allerdings ganz genau hinschauen. Gerade Welpen stammen leider oft aus brutalen Vermehrerstationen in Rumänien oder Bulgarien und wurden illegal über die Grenze gebracht.

Zustände vor Ort katastrophal

Sind die Welpen erstmal in Deutschland angekommen, sieht man oft nur die süßen kleinen Hunde und hat nicht einmal ansatzweise die Vorstellungen vom Leid, dass sich dahinter verbirgt. Die Welpen haben oft stundenlange Transport hinter sich – und die Bedingungen sind alles andere als schön, so wurden schon Welpen in Bananenkartons ohne Luftschlitzen aufgegriffen. Doch es ist nicht nur der Transport. Vor allem in den Vermehrerstationen selbst in Osteuropa geht es grauenvoll zu: Die Mütterhündinnen sind nicht mehr als Gebärmaschinen, mit den „Zucht“rüden wird brutal umgegangen.

Manchmal werden Hunde aufgegabelt

Alle 2-3 Tage werden vom Ordnungsamt Welpen aufgegriffen, die dann meist im Hamburger Tierheim landen. Der jüngste Welpe war gerade einmal 4 Wochen alt – also viel zu jung, um von der Mutter überhaupt getrennt zu werden. Der Zustand der Welpen ist schlecht: Sie sind verwurmt, verfloht oder haben Viruserkrankungen. Eigentlich müssten die Welpen auch bis zur 16. Woche nach Import unter Tollwut-Quarantäne stehen. Da dies ihre Soziale Entwicklung aber behindern würde, werden hier manchmal Ausnahmen gemacht.

Strategien immer perfider

Natürlich sollte man bei der Adoption eines Hundes wachsam und kritisch sein. Doch tatsächlich ist das nicht immer so leicht. Denn die Strategie der „Händler“ hat sich in den letzten Jahren geändert. In Berlin würden zum Beispiel extra Wohnungen angemietet und „Vorzeige-Familien“ engagiert, die dann so tun als wären sie mit dem Hundebaby überfordert – alles für einen besseren Verkauf. Außerdem – das kennen wir sicher alle – hat man sich erstmal verliebt, so wird oft jegliche Moral über Bord geworfen.

Wer einen Hund adoptieren möchte, dessen erste Anlaufstelle sollte am Besten das Tierheim sein oder seriöse Tierschutz-Vereine. Die wenigsten Hunde dort haben tatsächlich „einen Knacks“, wie es fälschlicherweise oft vermutet wird. Außerdem stehen die Vermittler*innen mit Rat und Tat zur Seite und werden sicherlich keinem Hunde-“Anfänger“ ein schwieriges Tier aufdrücken. Aber auch seriöse (!) Züchter sind natürlich eine Option, für diejenigen, die sich ganz unsicher sind oder es unbedingt auf „die eine“ Rasse abgesehen haben. Problematisch ist, dass sich der Corona bedingte Bedarf durch Tierheime und Züchter kaum decken lässt.

Was tut die Politik?

Die Politik versucht derweil mit Aufklärungskampagnen entgegenzusteuern. Doch bringen täte das nicht viel, da sind sich die Hundefreunde einig. Schon das Recht auf Gassigehen sei ein schlechter Scherz, so Frank Weber. Kaum etwas habe das Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, in dem auch der Tierschutz angesiedelt ist, realisiert, sagt Daniela Schneider von Vier Pfoten. Ihr Verein leiste seit Jahren Aufklärungskampagnen im Tierschutz und wirklich viel verändert habe sich nicht. Was den Welpenhandel anbelangt, bräuchte es ein internationales europäisches Gesetz: Nur gechippte und registierte Tiere sollten über die Grenze dürfen. Aber auch Portalen wie ebay kleinanzeigen müsse man deutlich den Riegel vorschieben. Am besten wäre es, wenn sich der Onlinehandel regional regulieren ließe.
Ein Unding sei es, dass der illegale Welpenhandel seit Jahrzehnten seinen Lauf nähme und von der Politik nicht gestoppt werde, so Weber. Unfassbare Summen würden die Händler verdienen und kämen sie doch mal vor Gericht, seien die Strafen lächerlich gering. Nach Drogen- und Waffenhandel sei der Welpenhandel der größte Geschäftszweig, meint Urte Inkmann.

Was kann ich tun?

Leider ist es überaus schwierig, den Händlern das Handwerk zu legen. Aber falls du selbst oder Freunde oder Bekannte von dir, einen Hund adoptieren möchten, ist es wichtig, ganz genau hinzuschauen und zu sich und andere intensiv zu informieren. Erste Anlaufstelle sollten Tierschutzvereine oder seriöse Züchter sein.   

Darüber hinaus kostet die Versorgung der aufgegabelten Welpen den Tierschutzvereinen natürlich viel Geld. Mit einer Spende kannst du zwar den Handel nicht unterbinden, jedoch kommt es den Hunden zugute. Man kann natürlich auch rumänische oder bulgarische Tierschutzorganisationen unterstützen. Diese Vereine haben oft sehr wenig Mittel zur Verfügung. Vor allem aber hat der Tierschutz in Osteuropa so gut wie keine Lobby.

 

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Author: ann

Hundefan 🙂

ann

Hundefan :-)

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